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Es wird (noch?) nix

Liebe Seals,

Für den 3.9.2020 haben sich 6 Personen (5 x Mainstream und 1 x Student) angemeldet. Das reicht leider noch nicht.

Ich habe daher erst einmal nur alle Termine für September aus dem Kalender gelöscht.

Ob es danach weiter geht? Ich habe so meine Zweifel. Hier einmal meine Beurteilung der Lage:

Der Sommer ist vorbei und nun stehen wieder – wie jedes Jahr – Husten, Niesen, Erkältung und manchmal auch Grippe an. In den kommenden Monaten wird dann jedes Schulkind und jeder Arbeitnehmer – schon aus Fürsorgepflicht für die anderen – zum Test geschickt. Dabei wird es auch positive Befunde geben. Übrigens wäre es m.E. ehrlicher nicht nur positive Tests, sondern auch tatsächliche Erkrankungen (evtl. nach Grad der Schwere) zu veröffentlichen. Dann wäre es für jeden leichter seine Entscheidungen zu treffen.

Wenn wir Pech haben, gibt es die “zweite Welle”, die sich nicht auf “Reiserückkehrer”, “Saufgelage” u.ä. zurückführen lässt. Dann steht unser Hobby ohnehin zur Disposition.

Wenn wir Glück haben, bleibt es in Ostfriesland so ruhig wie bisher und die wenigen Fälle können schnell isoliert werden. Eine Verbesserung der Situation gegenüber heute kann ich in den nächsten Monaten nicht erkennen. Daher befürchte ich, das wir uns noch einige Zeit nicht sehen. Meine Befürchtung geht sogar weiter: Möglicherweise gibt es dann einige, die für sich entscheiden, in Zukunft ohne Square Dance zu leben. Ob wir dann die Kraft haben, den Club noch einmal aufzubauen?

Im Oktober wird es in den USA – genau wie in Russland – kurz vor der Wahl den großen Durchbruch geben und ein Impfstoff wird zugelassen. Wer aber realistisch bleibt, kann wohl vor Mitte nächsten Jahres nicht damit rechnen geimpft zu werden und damit zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. Eher werden wir auch wohl unser Hobby nicht in dem Maße ausüben können wie vorher (d.h. mit vielen Veranstaltungen, Gästen, gemeinsamen Feiern usw.).

Meine persönliche Einstellung will ich auch nicht verschweigen: Im Straßenverkehr gibt es jedes Jahr ca. 8-10 Tausend Tote und unzählige schwere Verletzungen. Fahre ich deshalb kein Auto? Nein – sondern ich versuche mit so korrekt wie möglich zu verhalten und besondere Risiken zu meiden. Mich ärgern all jene, die rücksichtslos überholen oder durch die Gegen rasen. Aber ich versuche dann ruhig und defensiv mit diesen Situationen umzugehen. Manchmal mache ich selbst einen Fehler und versuche dann daraus zu lernen und im Zweifel die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Genauso sehe ich es auch mit Corona. Ich trage Maske, obwohl ich das überhaupt nicht mag. Ich vermeide größere Menschenansammlungen. Ich fliege erst mal nicht in den Urlaub und auch shoppen muss nicht sein (geht auch im Internet hervorragend). Aber gleichzeitig verstecke ich mich nicht im Haus. Ich führe z.B. wie schon lange Prüfungen bei LKW-Fahrern für die IHK durch. Das geht, da die Veranstalter Vorsorge treffen, die Teilnehmer diszipliniert sind (oder draußen sind) und man die Teilnehmerzahlen reduziert hat. Mich ärgern Leute, die unvernünftig sind – gehe ihnen aber einfach aus dem Weg.

Somit meine ich: Wenn man mit der notwendigen Sorgfalt und Disziplin (also z.B. nicht erkältet zum Clubabend erscheinen) mit der Situation umgeht, könnte man auch tanzen. Ein Restrisiko – wie im Straßenverkehr – bleibt. Das würde ich mittragen. Aber ich kann auch jeden verstehen, der für sich eine andere Entscheidung trifft. Auch ich zähle als Risikopatient und habe meine Bedenken.

Trotzdem: sollten sich genügend Tänzer finden, soll es nicht an mir scheitern. Allerdings sollte die Initiative dann von Euch ausgehen. Ich halte erst einmal die Füße still.

Euer Gerhard